Mythos Superheldin

Der Tagi ruft nach Superheldinnen. Und schweigt sie gleichzeitig tot.

 

Der amerikanischen Filmindustrie mangle es am Mut zum weiblichen Heldentum, zetert der Tagi in seiner Sonntagsausgabe. Böses Hollywood. Ganz bös! Moment mal, wirklich? Herrschen in der Welt der Buch- und Comicverfilmungen nur Männer und somit rascher Handlungsbedarf? Immerhin finden Klassiker wie Elektra oder Catwoman eine Erwähnung und auch auf aktuelle Kämpferinnen wie Katniss Everdeen, Beatrice Prior oder das neulancierte Supergirl wird hingewiesen. Fast bekommt man das Gefühl, eine vom Publikum schmerzlich vermisst Ära stehe bevor. Eine Zeit, in der auch Frauen mal den Tag retten dürfen. Weil die bisherige Kinolandschaft ein Feuchtgebiet des Chauvinismus war.  

 

Doch schon alleine das Titelbild lässt schlimmen Schlendrian bei der Recherche vermuten. Dort posiert nämlich Jessica Alba 2005 anlässlich der Verkörperung von einer der vier Hauptfiguren in Fantastic Four – welche sie dann auch in der Fortsetzung 2007 spielte. Erklärt Evangeline Lily im Interview, als AntMan-Mitwirkende eine Pionierin im Superheldenreich zu sein, die starke Frauen darstelle und mehr weibliche Präsenz in diese Filme bringe, klingt das bei genauerer Betrachtung des Actionkinos schon fast wie Hohn. Und deshalb wollen wir jetzt mal durchs Archiv gehen.

 

Als Definition soll gelten: Weibliche Hauptfiguren von Kino- und Fernsehserien, die sich erfolgreich prügelnd und/oder ballernd zur Wehr setzen können und gleichzeitig jede Menge Charisma und Köpfchen mitbringen. Übermenschliche oder gar magische Kräfte dürfen dabei keine zwingende Voraussetzung sein. Denn Tony Stark wäre seinen Status als Superheld augenblicklich los, und ausserdem erzählt man seiner kleinen Tochter ja auch nicht, sie müsse fliegen oder Gedanken lesen können, um es im Leben zu was zu bringen. Darum also an alle Liebhaber und Freundinnen der Frauenpower: Diese Liste ist euch gewidmet.

 

Kinofilme

 

Alle Bondgirls, seit 1962

Laurie Strode / Halloween, 1, 2, H20 und Resurrection, 1978, 1981, 1998, 2002

Ellen Ripley / Alien 1 – 4, 1979, 1986, 1992 und 1997

Sarah Connor / Terminator 1, 2 und 5, 1984, 1991, 2015

Selina Kyle / Batman Returns, 1992

Mathilda / Leon - Der Profi, 1994

Tank Girl / Tank Girl, 1995

Leeloo / Das fünfte Element, 1997

Trinity / Matrix 1 – 3, 1999 – 2003

Yu Shu Lien / Crouching Tiger, Hidden Dragon, 2000

Alice / Resident Evil 1 – 6, 2002 – 2016

The Bride / Kill Bill: Vol. 1 und 2 / 2003 – 2004

Selene / Underworld 1 – 3,  2003, 2006 und 2012

Zoe Alleyne Washburne und River Tam / Serenity, 2005

Aeon Flux / Aeon Flux, 2005

Violet Song Jat Shariff/ Ultraviolet, 2006,

Cherry Darling / Planet Terror, 2007

Mary / Hancock, 2008

Quorra / Tron: Legacy, 2010

Mindy Hit-Girl Macready / Kick-Ass 1 + 2, 2010, 2013

Mallory Cane / Haywire, 2011

Kate Loyd / The Thing, 2011

Lisbeth Salander/ The Girl With The Dragon Tattoo, 2011

Hanna Heller / Hanna, 2011

Carrie White / Carrie, 2013

Lucy / Lucy, 2014

 

TV-Serien

 

Buffy Summers / Buffy – Im Bann der Dämonen, 1997 – 2003

Nikita / Nikita, 1997 - 2001

Sidney Bristow / Alias, 2001 – 2006

Xena / Xena, 1995 – 2001

Max Guevera / Dark Angel / 2000 - 2002

Sara Pezzini, Witchblade, 2001 – 2002

Kara Starbuck Thrace / Battlestar Galactica, 2003 – 2009

Brienne of Tarth / Game Of Thrones, seit 2011

Kiera Cameron / Continuum, seit 2012

Root und Sameen Shaw / Person of Interest, seit 2012

Melinda May / Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D., seit 2013

Peggy Carter / Agent Carter, seit 2015

Yelena Dutch / Killjoys, seit 2015

 

Und dies ist nur eine Auswahl an Ikonen, unter Ausschluss aller Heldinnen, die nicht für ihre Kampfkünste bekannt wurden. Etwa die unvergessene Dana Scully aus Akte X. Viele der Serien werden übrigens fortgesetzt, im Kino wie im Fernsehen. Wenn also behauptet wird, Frauen seien nicht in wichtigen Rollen repräsentiert, dann ist das eine Herabwürdigung vom harten körperlichen Einsatz und der Inspirationskraft der Darstellerinnen besagter Filme, eine Leugnung der Pionierarbeit von Luc Besson oder Joss Whedon und – nicht zuletzt – versteckter Sexismus.


Zuerst veröffentlicht in der Medienwalze.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0