Dauerwerbesendung JOIZ

Neulich bemerkte ich gegenüber einem Freund: «Die Kids von heute, die kennen das Konzept Ausverkauf gar nicht mehr.»

Und erntete dafür blankes Unverständnis. «Ausverkauf? Was’n das?»

Dass mein Kumpel in seinen frühen Dreissigern ist, lässt nur erahnen, wie leicht sich wohl Menschen Anfang Zwanzig dem Konzernfranken zuliebe für Botschaftsverbreitungen einspannen lassen – besonders, wenn sie im Mediengeschäft tätig sind. Böse Zungen könnten gar von Prostitution sprechen, und, böse wie wir sind, tun wir dies auch.

 

Ein aktuelles Beispiel bietet JOIZ, jener Jugendkanal, der sich zwar der digitalen Intermedialität verschrieben hat, dem aber bis heute keine brauchbare Internetpräsenz gelingen will. Die Moderatoren Tama und Tony fragten sich, ob das liebe Bargeld der neuen Bezahl-App der UBS zum Opfer fallen könnte. Dazu drehten sie ein Filmchen, in dem sie Punkt für Punkt erklärten, wie dank der Dienstleistungssoftware Paymit Beträge von einem Handy zum nächsten verschoben werden. Wobei sie so unkritisch berichteten, als hätte die PR-Abteilung der Grossbank das Drehbuch getextet. Als einziger „Nachteil“ monierte man die Untauglichkeit an der Ladentheke - ein niedliches Scheinargument, da die App ja explizit für den Zahlungsverkehr zwischen Smartphones entwickelt wurde.

 

Nun ist die Frage erlaubt, was denn so verwerflich daran sein soll, eine Dienstleistung vorzustellen, die ihren Nutzern das Leben vereinfacht und obendrein noch gratis ist. Bei Paymit mag der Mehrwert im Alltag tatsächlich überwiegen, aber eigentlich schlüpfen die Jungmoderatoren nur zu gerne in die Rolle der Werbebotschafter, um von Salz bis klebrigem Eistee alles für geprüft und sicher zu erklären, solange die Münzen in der Tasche ihres Deckmantels stimmen.

 

Das ist nicht bloss dreist. Das ist sogar noch schlimmer als Native Advertising, jener schleichenden Vermischung von Werbung und Journalismus. Schliesslich fehlt der Hinweis auf verkaufsfördernde Absichten. Werbung zeichnet sich ja bekanntlich dadurch aus, dass sie alle Vorzüge überzeichnet und jegliche Minuspunkte ausblendet. Auf dieser Basis kann ein Review seinen Hauptzweck nicht erfüllen. Nämlich Konsumenten Kaufsentscheidungen zu erleichtern.

 

Dieser Trend geht auch darauf zurück, dass man heutzutage etwas bewertet haben muss, noch bevor es der Allgemeinheit in die Finger fällt, und der einzige Weg, vor Veröffentlichung an ein Produkt zu gelangen, führt über den Hersteller. Wagt man es dann, Kritik zu üben, hat man nicht selten das letzte Mal Vorrang erhalten. Erst Anfang Juni berichtete BasicThinking.de darüber, wie rasch man etwa bei Apple in Ungnade fällt, wenn man sogenannte Innovationen hinterfragt.

 

Wobei Hersteller mitunter gerne vergessen, dass sich die Kundschaft irgendwann sowieso eine eigene Meinung bildet, egal wieviele goldene Schnuller die Marketingabteilung im Vorfeld verteilt hat. Im Fall der Bezahl-App haben die Zuschauer dem Sender inzwischen auf Facebook mitgeteilt, was sie von der dreisten Schleichwerbeaktion halten.


Zuerst veröffentlich von der Medienwalze

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